willkommen.

Es ist an der Zeit, denke ich mir, während ein Teil meines Hinterkopfs auf den großen Knall wartet (im Stadtteil nebenan wird gerade eine Bombe aus dem II. Weltkrieg geborgen und ich frag mich ob eigentlich in den letzten Jahren überhaupt mal so eine Bombe hochgegangen ist bei der Bergung. Nicht dass ich mir das wünschen würde, aber ich denke mir, dass ich eine Bombenbergung spannender finden sollte. Aber ich schweife ab.) Seit Wochen drücken wir uns schon davor mit diesem Blog anzufangen, weil das erste Posting so schwer zu wiegen scheint. Man möchte damit gleich die Richtung des Blogs weisen, ihn angemessen inhaltlich und stilistisch vorstellen, am besten mit einem wahnsinnig spannenden Thema, na ja – und wie so oft, wenn ich was ganz perfekt machen will, lass ich es dann gleich ganz sein, weil ich nur noch die Unzulänglichkeiten dran wahrnehme. Damit ist jetzt Schluss, und ich fang einfach mal an.

Eine kurze namedroppingtriefende Vorstellung der hier Bloggenden: Tobi Lindemann und meine Wenigkeit, eve massacre. Tobi ist seit vielen Jahren einer der Menschen, ohne die diese Stadt kulturell ein ganzes Stück ärmer und langweiliger wäre, und noch dazu von der Sorte Idealist and proud – äh poor of it. Und ein lieber Freund. Mit ihm zusammen habe ich schon für dieselben Medien geschrieben (z.B. YOT, testcard). Wir waren beide bei Radio Z in der Musikredaktion und haben bei Radio Z auch diverse Sendungen gemacht, von Musik bis (Kultur-)Politik (wobei Tobi da noch wesentlich aktiver ist und war als ich). Wir sind beide Teil des Veranstalterkollektivs Musikverein, das seit 1976 im Künstlerhaus (K4, KOMM) ansässig ist. Tobi ist darüber hinaus auch seit vielen Jahren in der desi, einem anderen Nürnberger Non-Profit-Kulturknotenpunkt aktiv und initiiert auch immer wieder mal Veranstaltungen zu (kultur)politischen Themen. Und er hat auf seinem Liebhaber-Label Black Hole Discs meine letzte EP rausgebracht. Wir sind beide DJs und haben uns schon bei mehreren gemeinsamen Partyreihen zusammen die Nächte um die Ohren geschlagen (z.B. Sophisticated Boom Boom, Nurotic Soundsystem, Kill The Poor), und einzeln: Tobi ist einer, wenn nicht sogar der Initiator von Sub:city, war früher bei Lead With The Bass, ist noch bei Maos Rache dabei, hat sich sonst aber grad eine DJ-Pause verordnet, während ich inzwischen eine queer party namens Orchid mache. Diese lückenhafte Aufzählung nur mal so als grober Einblick. Ist ja manchmal ganz interessant zu wissen, was die Leute sonst noch so tun.

Warum ein Blog in Zeiten, in der sich die eine Hälfte der potentiellen Leserschaft lieber wieder von der Langsamkeit verzaubern lässt und das Gefühl von Papier zwischen den Fingern spüren möchte, während die andere sich mit einem „TLDR“ in den Rausch der Geschwindigkeit und Vergänglichkeit stürzt, nur noch in 140 Twitterzeichen denkt und das Leben an sich viel einfacher fände, wenn alles mit einem Facebook Like-Button versehen wär? Mir sind  beide Gefühle nicht fremd, aber ich lese auch mal gern einen langen Blogeintrag. Die Zeit, die wir beim YOT Zine (ein Zine, das ich jahrelang mit Tobi Lindemann und Tobi Eartrumpet, und ein paar anderen Verrückten mit zuviel Zeit, herausbrachte) in Schreiben + Bildmaterial suchen und zurechtbasteln + Layouten + Kopieren + falzen steckten habe ich nicht mehr, so reizvoll ich Papier fände. Und Gedrucktes kostet und man steckt in der Redaktionsschlusshölle – solche finanziellen und zeitlichen Verbindlichkeiten möchte ich mir auch nicht antun. Deswegen: Blog.

Warum nicht meinen bestehenden nutzen? Weil ich Lust habe, sowas mit jemand anders zusammen zu machen und nicht im Egozine Stil. Dazu kommt, dass ich gern mal wieder auf Deutsch schreiben möchte, und das in meinem Blog nicht tun mag. Ich habe mir, weil das Medium Internet für mich ziemlich früh eine Möglichkeit war, mit internationalen Freundinnen, Freunden und Bekannten Gedankenaustausch zu betreiben, angewohnt in meinem Blog, auf Friendster (erinnert sich noch jemand?), dann später auf Myspace und heute eben auch auf Facebook und Twitter Englisch zu schreiben. Prima Sprache, derer ich auch halbwegs mächtig bin, und die mich aus den Fängen der ‚Muttersprache’ befreit. Das ging mir auch schon immer beim Songwriting so: Deutsch kommt mir einfach zu nahe, beengt mich, ist voll von leeren Phrasen und tausenderlei Konnotationen, während Englisch mir genau die nötige Distanz gibt um mich beim Texteschreiben wohlzufühlen und das Gefühl zu haben etwas ganz anders auf den Punkt bringen zu können. Englisch fühlt sich gut an. Nachteil ist: Auf Englisch zu schreiben drosselt meine Geschwindigkeit und Spontaneität. Und das Internet ist inzwischen auch für Lokaleres interessant geworden. Also sollte wieder etwas her, wo ich auf Deutsch schreibe.

Insgesamt ist der Auslöser für diesen Blog, dass mir, oder dass uns (denn ich glaube, da kann ich für Tobi mitsprechen), einfach ein Medium wie das YOTzine einfach ganz schön fehlt. Etwas worin Lokales genauso seinen Platz hat wie ‚Internationales‘. Etwas, worin man genauso gut einen ausführlichen tiefgehenden gut fundierten Artikel reinpacken kann wie eine knappe Buch- oder Filmbesprechung. Etwas, worin man Gedanken über kulturelle Entwicklungen teilen kann, die einer/m so in den Kopf kommen und vielleicht gleich per Kommentarfunktion eine kleine Diskussion losgehen kann, weil jemand anders es besser weiß und kontern möchte, oder was Ergänzen möchte. Etwas, wo man sich die Konzertkritik gleich vom Herzen tippen und veröffentlichen kann während man innerlich noch ganz vibriert vom Nachhall der Musik. Etwas, wo man sich die Begeisterung über das neueste Subsubsubgenre zurecht intellektualisieren kann. Etwas, wo wir uns den Frust über die ‚Szene’ (welche auch immer grad) in Form eines spontanen Rants vom Hals schreiben und uns wieder mal in Teufels Küche bringen können. Something old, something new, something borrowed, something blue.
Inwieweit der BREAKING THE WAVES Blog das alles erfüllen wird, werden wir sehen.
Ich hoffe, ihr seid ein wenig neugierig drauf.
Wir sind’s.

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