Abregen? – noch mal zu Regeners Rant bzw Kommentaren dazu

Jetzt muss ich doch noch einen zweiten Teil dazu schreiben, weil’s mir zu lange und zu schade ist, das in der comment-section zu belassen. Wird wieder keine objektive Analyse, keine Angst. 😉
Bin übrigens doch ganz schön erstaunt, dass dieser eine Ausbruch von Regener ein so breites Web-Echo hervorgerufen hat.

feydbraybrook schrieb:
„Sorry, da liegst Du falsch. Viele Musiker, die es zu etwas gebracht haben, sind jahrelang durch den Dreck gewatet und haben von Scheisse gelebt und sind trotzdem dabei geblieben – aus Liebe zur Musik. Deswegen haben sie nicht freiwillig kein Geld verdient. Sie haben es in Kauf genommen, nach dem Motto: ich würde gerne davon leben, nichts anderes machen als Musik, aber notfalls tue ich es auch, ohne etwas dafür zu bekommen. Und dann hats bei denen eben doch geklappt.
Nur, weil einer Geld mit Musik verdient, ist Geld noch lange nicht sein einziger Beweggrund dafür.“

Natürlich nicht, das habe ich auch nicht behauptet. Im Gegenteil: Das ist doch das, woran mir liegt. Und Musik machen aus Leidenschaft heißt doch nicht, dass sie unentgeltlich sein muss. Ich finde es aber unsympathisch, wenn für Leute Profit der dominante Grund dafür ist, Musik zu machen, und wenn dann langweilige Plörre rauskommt sich jemand (das soll sich jetzt nicht explizit auf Regener beziehen, auch wenn ich mit Element Of Crime noch nie was anfangen konnte) hinstellt und fordert: ‚Jetzt hab ich doch in diese Karriere investiert und hart gearbeitet, da steht mir doch jetzt auch Entlohnung dafür zu‘. Das ist mir zu sehr auf die Handwerksseite argumentiert. So funktioniert Popmusik halt nicht.

Und ich finde die Abwertung von Künstlern, die ihre Musik ganz bewusst als “ chose-what-you-pay“ mit Gratisoption unter Creative Commons Lizenzen ins Netz setzen, nicht gut. Diese Mentalität, dass etwas schlecht sein muss, wenn jemand es kostenlos hergibt, zeugt ja nur davon wie profitfixiert diese Ecke der Musikwelt ist.

Natürlich würden aber alle gerne davon leben. Die Realität sieht aber nun mal so aus, dass 95% oder mehr das nicht können, weil das Geld nicht da ist, egal wieviel sie dafür aufgeben und wie intensiv sie an ihrer Musik arbeiten. Die Schuld dafür aber nur bei illegalen Downloadern zu suchen (das wären ja immerhin schon Leute, die sich für deine Musik interessieren) und damit deine Fans zu kriminalisieren, oder derzeit youtube/google den schwarze Peter hinzuschieben ohne dabei zu sehen, dass youtube eine fantastische kostenlose fanbasierte Werbung für Musik bietet, das ist weltfremd. Es gibt zahllose Gründe, es mag zum Teil an der zu späten Besinnung auf neue Vertriebsideen und einen unglaublich schwerfälligen Umgang mit einer neuen Medienrealität seitens der Musikwirtschaft liegen, oder zum Teil auch dran, dass genauso Geld in andere Unterhaltungsmedien, Event- und Partykultur (irgendwann gibt’s bestimmt Krieg zwischen Leuten die sich als ‚richtige Musiker‘ verstehen und DJs ^^), Handys, Ipads und was weiß ich gesteckt wird. Vielleicht liegt’s auch teilweise daran, dass viele ganz einfach auch nicht mehr Geld haben, das sie für diesen Lebensbereich ausgeben können, und sicherlich auch daran, dass es heute fast mehr Acts als Publikum dafür gibt. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass die Entwicklung in Zukunft noch mehr Richtung ’selber machen‘ gehen könnte –  sei es spielerisch durch Konsolenspiele (Guitar Hero und verwandte, Karaoke usw.) oder eben dass noch mehr Leute selbst zu Hause am Computer Musik produzieren, remixen, was auch immer, oder was ja auch stetig wächst: der DJ Bereich. (Wie Tiga letzthin twitterte: „there should be some kind of prize for anybody (under 40) who has NEVER DJed„.) Dann würde sich jedenfalls noch weniger Geld auf die Bands verteilen, die es auf die traditionelle Weise versuchen. Kultur ist halt ein fickle beast, sie und ihre Bedingungen ändern sich immer wieder im Laufe der Jahrhunderte und wer sie zum Stagnieren bringen will, tötet sie und wenn er das als Kulturschaffender tut, schafft er sich selbst halt gleich mit ab, wenn’s blöd läuft.

Zurück zu dem Kommentar oben: Es ist halt eben nicht so, dass aus ‚hart arbeiten‘ automatisch Erfolg wird in der Musik. Das ist ja eine Logik, die nicht mal in der Arbeitswelt jenseits der Unterhaltungsindustrie funktioniert. Warum es ein paar wenige Bands doch eine zeitlang schaffen, davon leben zu können, das hängt ja auch von so vielen Faktoren abseits der ganzen Urheberrechtsthematik ab, dass das ein ganzes Themenfeld für sich wäre. Qualität ist dabei gewiss nicht maßgeblich. Wie letzthin jemand (ich glaube, es war Franz Apunkt Schneider) ganz richtig sagte: Pop ist nun mal nicht fair. Mich verbindet ja auch durchaus grad deswegen so eine intensive Hass-Liebe mit ihm.

Was wäre denn aber überhaupt fair? Was für MusikerInnen sollten denn von ihrem Schaffen leben können? Gerade in einer Zeit, in der es dank technischem Fortschritt einfacher und billiger denn je geworden ist, selbst Musik zu machen und jedeR Dritte davon träumt, irgendwann sein Einkommen mit Musik stemmen zu können, steht fest: Für alle wird’s nie reichen. Aber mal angenommen, irgendwer glaubt ernsthaft, dass wenn die Daumenschrauben des Urheberrechtsschutzes fester angezogen würden und die Fans/Diebe Millionen Euro ausgeben würden / Strafe zahlen müssten und dieses Geld dann gerecht verteilt werden sollte, um wenigstens einem Bruchteil der Musikschaffenden ein Auskommen zu bescheren. Wer würde es denn eurer Meinung nach verdienen?

Sollen es die hart an sich arbeitenden Bands sein? Sollen es die sein, die ein Pop-Diplom in Kompositionslehre und Viral Marketing gemacht haben? Sollen es die sein, die am meisten verkaufen? Sollen es die sein, die kreative neue Wege gehen und sich trauen Popmusik weiterzudenken? Sollen es die sein, die den klassischen Pop/Rock/whatever-Song perfektionieren? Sollen es die ‚richtigen‘ Bands sein, weil sie Übungsräume, Studio etc. finanzieren müssen im Gegensatz zu vielen solo-electronic acts? Sollen es die sein, die ganz viel Persönliches investiert haben, ihre Jobs/Wohnungen/Beziehungen/etc aufgegeben habe, um für ihre Musik zu leben? Sollen es die sein, die in Management/Bookingagentur/Promofirma/etc. investiert haben?
Weil das schwer zu beantworten ist,  beschwören an dieser Stelle der Diskussion manche auch plötzlich das uralte Bild vom Künstler als schützenswertes kreatives Genie herauf, dass unsere Gesellschaft um ein unverzichtbares Kulturgut bereichert. Woran erkennt man aber diese wenigen Auserwählten? Diese Sicht macht die Diskussion nicht einfacher, sondern hebt sie bloß auf so ein seltsam esoterisches Level. Und auch wenn ich selbst gern in hemmungsloses Schwärmen über Musik gerate, und manche Künstler auf einen solchen Altar hieve – in so einer Diskussion hat das heute für mich nichts verloren. Ich beschwöre dann lieber im Gegenzug das Bild einer 5€-die-Stunde-Fabrikarbeiterin herauf, die noch nebenbei putzen geht, um ihre Kinder durchzubringen. Ist noch ungerechter. Hilft in unserer Diskussion auch nicht weiter. Aber wenn man sich schon darauf beruft, dass Musiker ein Beruf wie jeder andere auch sein sollte, dann halt auch konsequent.
Und wie hat es Blog-Kollege P. Breuer so schön geschrieben: „Ich bin übrigens für ein Bedingungsloses Grundeinkommen. Zack, alle Probleme gelöst. Nicht nur die der Künstler. Aber auf mich hört ja keiner.“

Noch einen Kommentar möchte ich herausheben:

Sebastian F. Klaus schrieb:
„Lasst uns doch mal ehrlich sein: Das, was sich wunderbar und profitabel verkaufen lässt, ist in den wenigsten Fällen voller Qualität, Aussage und vielleicht sogar Idealismus – vielmehr überfüllt und überfordert durch Lobbyismus!

Schaut man sich die Playlists von Radiosendern oder Plattenläden, dann findet man in aller Regel immer die gleiche Auswahl – hoch dotierte, extrem profitable “Interpreten” und meist keinen einzigen, der unsere Gedanken oder unser Handeln durch seine Lieder / Werke bereichert.

Zur Aussage im Kommentar von S Sen, dass es der Gesellschaft schwer fallen würde, für Kunst zu zahlen, fällt mir schlichtweg nur ein: “Blödsinn!” Okay, ich gebe zu, bei 99% der dargebotenen Werke in diversen Läden, würde ich mich tatsächlich damit schwer tun, nur einen müden Cent für zu investieren. Aber weniger, weil ich generell nichts für “Kunst” ausgeben möchte, sondern weil “DAS” keine Kunst für mich darstellt. Ob es nun Musik ist oder andere Künste gemeint sind, spielt eigentlich keine Rolle. Dass jemand sein Werk dann auch nicht als Kunst anerkannt sieht, ist sogar in Ordnung für mich: Dann ist es nunmal keine Kunst, die einen zur Investition anstachelt – vielleicht reicht es einfach nicht. Vielleicht ist es nicht gut genug. (…)“

Danke dafür. Diesem Gedanken mag ich eigentich gar nicht groß was hinzufügen.
Selbiger Lobbyismus und finanzielle Abhängigkeiten (Werbung schalten im Austausch für ‚redaktionelle‘ Beiträge oder Reviews etc) haben sich ja leider auch in der Musikpresse und Musikblogs vielerorts durchgesetzt und machen sie für mich immer uninteressanter. Das Spielerische, Neugierige bleibt da oft außen vor und man spürt die mit Inhalt aufgehübschte Kalkuliertheit und die kleinen Gefallen zu sehr durch. KünstlerInnen dagegen, die sich nicht in die Hände einer PR-Maschinerie und den eine-Hand-wäscht-die-andere-Beziehungsdschungel usw. begeben, bleiben oft einfach unsichtbar, egal welche Qualitäten ihre Musik aufweist.
Das war früher für mich eher irrelevant, weil es eigentlich bloß Mainstreampop zu betreffen schien, dessen Verwertungslogik mir noch nie sympathisch war, doch heute zieht sich das leider bis in den ‚Underground‘ durch, der ja eh nicht mehr wirklich davon zu trennen ist.
AIDS WOLF, die sich leider, aber verständlicherweise aufgelöst haben, streifen das Thema der auch im avantgardistischen Underground veränderten Musikszene in ihren Abschiedsworten hier, möchte ich kurz einfügen, weil’s so lesenswert ist.

Und noch einer:

mixermansworld schrieb:

„Etwas einseitig diese Meinungen. Ich finde es gibt bzw. darf hier kein schwarz/weiß-denken geben. Vielleicht hätte der Herr Regener seine Emotinen etwas im Zaum halten sollen und zu Dir kann ich nur sagen, sobald man sich entscheidet sein Geld – falsch – seinen Lebensunterhalt mit Musikmachen, Komposition, Texten oder was auch immer zu verdienen passiert das auf einer anderen Ebene. Vielleicht sollte man sich das mal an einem einfachen Beispiel bewusst machen: Du möchtest Dir ja zum Frühstück auch einen Kaffee gönnen oder mal ne Semmel essen, diese Dinge musst Du käuflich (also mit etwas Geld) erwerben und ich glaub nicht das Dir dein Bäcker die Brötchen schenkt obwohl er vielleicht leidenschaftlich gerne Semmeln bäckt.“

Ja, und wenn alle seine Semmeln nicht ausstehen können, und sich stattdessen woanders Baguette kaufen oder Brot selber backen, und der Bäcker dann pleite geht – jammert der dann genauso auf seinem Anrecht auf Verdienst rum, weil er doch so hart gearbeitet hat? Blödes Konter, aber warum der Bäckerei-Vergleich hinkt, kannst du dir selbst ergooglen, das ist ein beliebtes Beispiel in der Debatte um geistiges Eigentum.

Was ich noch mal betonen möchte: Ich bin in keinster Weise Fürsprecherin einer ‚Geiz-ist-geil‘-Mentalität, und mich kotzt es an, wenn Leute Kultur, die nicht profit-orientiert ist, mit dieser Mentalität in einen Topf werfen. Dass ich das Urheberrecht in seiner jetzigen Form nicht zeitgemäß finde, heißt keineswegs, dass ich, wie immer gleich gern unterstellt wird, finde, dass Musik gratis sein muss.

Und weil mir bei diesem die Gemüter doch ganz schön anheizenden Thema auch unterstellt wurde, dass ich so gar keine Ahnung habe, von was ich spreche: Ich mache selbst Musik, habe Platten und CDs rausgebracht und verkauft, bin durch ein paar Länder quer durch Europa getourt auf meist selbst gebuchten Touren, hab vor drei Leuten gespielt und hab vor 1000 Leuten gespielt, ich veranstalte Konzerte in einem Veranstalterkollektiv, bei denen die Band manchmal vor 15 Leuten spielen, manchmal vor 400, bin in Kontakt mit Bands direkt ebenso wie mit ganz großen Agenturen, ich lege auf und organisiere Parties – also: ich bewege mich zumindest nicht außerhalb dieser ganzen Szenerie, um die es geht, auch wenn ich mich nicht als ‚Professionelle‘ betrachte. Ich finde es nicht gut, wenn eine internationale Band für eine Gage spielen muss, bei der die einzelnen Bandmitglieder nur einen Bruchteil dessen bekommen, was z.B. der Tontechniker am selben Abend bekommt, der vielleicht auch schon für weniger Geld arbeitet, als der Standard ist. Ich finde es nicht gut, zu wissen, dass von der GEMA Gebühr, die wir für ein Konzert bezahlen, voraussichtlich nie wirklich etwas bei der US Band ankommen wird, die gespielt hat. Ich finde es nicht gut, dass ich nicht frei bin, einfach eine Platte mit meiner eigenen Musik zu veröffentlichen, ohne mir vorher von der GEMA, mit der ich gar nichts zu tun haben will, mein Werk ‚freistellen‘ lassen zu müssen. Ich finde es nicht gut, dass immer öfter DJs das mehrfache dessen verdienen was ein Bandmitglied verdient. Ich finde es nicht gut, dass Leute bereit sind für ein Festivalticket dreistellige Beträge hinzulegen, aber bei kleinen Konzerten wegen dem Eintrittspreis rumdiskutieren wollen. Ich finde es nicht gut, dass viele wie auch ich, sich ganz schlicht und einfach nicht mehr so viele Konzerte und Platten leisten können wie früher. Ich finde es nicht gut, wenn Leute Musik ausschließlich gratis abgreifen, obwohl sie von sich behaupten, dass ihnen Musik total wichtig ist. Ich finde es nicht gut, zu wenig Zeit zum ausgiebigen Musikmachen zu haben. Ich find es nicht gut, …  Ey – es gibt schon wirklich zig Sachen über die ich Jammern könnte. Hab ich aber keine Lust drauf. Lieber weitermachen und versuchen, Leute für Musik mitzubegeistern, die mich begeistert, weil ich glaube, dass Begeisterung ein viel besserer Grund ist, Geld für Musik auszugeben als drohende Strafen oder jammernde Musikschaffende.

Sein Urheberrecht! Sven Regener regt sich auf. Ich auch.

Was einen gequirlten Haufen Dingens der Regener von Element Of Crime HIER beim Zündfunk ablässt.

Da kann ich nicht anders als was zu entgegnen.

Gegen die Domestizierung!

Mich kotzt diese ‚Musik ist mein Beruf‘ Haltung echt immer mehr an. Ich wünsch mir bitte wieder mehr Leute, die Musik/Kunst als „exzentrisches Hobby“ (wie es Regener hier nennt) betreiben. Mit Enthusiasmus und Wagemut und Überschwang und als etwas ‚existentielles‘ jenseits von ‚Mittel zum Existenz sichern‘. Es gibt tausende von Gründen Musik zu machen – weil es Spaß macht, weil man ein kreatives Fieber in sich hat, weil man alte Geister austreiben will, weil man eine Botschaft rüberbringen will, weil sich nichts besser anfühlt, als wenn der Beat genau richtig klingt, usw.  – aber bitteschön: um damit eine Popkarriere machen zu wollen, von der sich leben lässt, ist wirklich der langweiligste Hauptgrund überhaupt. Musik in einer Erwartungshaltung zu machen, dass sie zu einem gesicherten Einkommen führe, ist nichts als die bloße Domestizierung und Verbeamtung von etwas was mal von spannenden Entwicklungen und kreativen Auseinandersetzungen geprägt war, und Bezüge zu Leben und Gesellschaft hatte anstatt nur Augen für sich selbst und die eigene Inszenierung zu haben.  Was für öder Durchschnittssound dabei in allen möglichen Genres rauskommt, davon gibt’s ja inzwischen grad hierzulande genug zu hören, und das tötet auch langsam den lebendigen wildwuchernden Underground der Musikszene. Fuck off Pophandwerk und Popakademie. Vielleicht würde mich das weniger aufregen, wenn die Haltung der Berufsmusikanten nicht immer gar so arrogant denjenigen gegenüber wäre, die selbiges nicht in erster Linie machen, um damit Geld zu verdienen.

Golden shower FTW

Und dann weiter in seinem Text: Musik, die kein Geld ranschafft, als ‚Subventionstheater‘ (Amüsante Ergänzung: Eine Freundin hat ganz richtig bemerkt: Gerade Element Of Crime sind eine der Bands, die sehr gerne und oft an subventionierten Auftrittsorten spielen.) und ‚Straßenmusik‘ zu bezeichenen – geht’s noch? Können wir bitte wieder lernen, dass gratis nicht ’nichts wert‘ bedeutet? Ich empfinde das als eine ebenso bescheuerte wie unverschämte arrogante Abwertung (nicht nur) meines Schaffens. Das richtet sich gegen jegliche nicht-kommerzielle Geste, die vielleicht eben genau deswegen non-profit ist, weil sie sich damit gegen die Verwertungslogik stellen will. Das sagt jedoch nichts über Qualität aus.

Ich lasse mir – metaphorisch – gerne „ins Gesicht pinkeln“, wie du es bezeichnest, lieber Sven Regener. Und das wertet meine Musik in keinster Weise ab. Kunst muss nicht kosten, damit sie was ‚wert‘ ist. Wenn du ‚Respekt vor Musik‘ über Geld definierst, weil du Angst um deine Altersvorsorge hast, dann tu nicht so, als ob es dir um die Musik ginge. Denn das ist nicht das „einzig Wahre am Rock’n’Roll“, sondern das macht den „Rock’n’Roll“ zur bloßen Ware.
„Wahrer Rock’n’Roll“ ist nämlich dann doch eher sowas wie der ‚Two Hearts Are Better Than One‘ Blog hier, auf dem Sabotage Records und Taken By Surprise Records ihre ganzen Veröffentlichungen auch zum Gratisdownload online stellen. Für dich wahrscheinlich genauso wie ich auch solche ‚Penner aus der letzten Reihe‘.

Selber schuld!

Leute wie du sind es doch, die der Musik ihre Magie austreiben, das was sie mal zur ‚Kunst‘ gemacht hatte, das was Leute zu Fans werden ließ. An diese Stelle wurde von Popstrategen Musik gesetzt, die nach immer gleichförmigeren Verwertungsstäben funktionieren soll, Musik nach Schema F als erlernbares Handwerk, die als Qualitätskriterium Erfolg in Zahlen misst. Nach jedem Werbe/Sponsoring-Vertrag wurde sich gerissen, ohne dabei zu bedenken, dass er noch mehr dazu beiträgt, dass Musik zum bloßen Lifestyle/Produkt-Hintergrund wird. Und dann der immer gleiche Schritt: Das kleine Label, die kleine Bookingagentur wird sitzen gelassen, sobald sich was ‚Größeres‘, ‚Besseres‘ (= finanziell Vielversprechenderes) auftut – weil Wachstum in dieser Logik mehr Verkäufe und mehr Publikum heißt, und nicht mehr Entwicklung und Tiefe. (Was für dich bestimmt nichts zum Sterben der Indies beigetragen. Nö, nö.) Mal im Ernst: Letztlich habt ihr Berufsmusiker doch durch diese und ähnliche Dinge doch schon lange vor eurem Publikum den Respekt vor eurer Musik aufgegeben. Und sich dann hinstellen und den potentiellen HörerInnen die Schuld am Niedergang der Indie-Szenerie zu geben? Großes Kino.
Mit eurer andauernden Opferpose und dem Beschimpfen eurer Hörerschaft werdet ihr den Respekt gewiss nicht wiedergewinnen.

Weiter mag ich gar nicht drauf eingehen. Der unmögliche abwertende Gebrauch von ‚Penner‘ und ‚Nutte‘ zum Beispiel spricht ja auch Bände über die Weltsicht eines Herrn Regener.

 

Edit: Hier hab ich einen zweiten an das Thema und Kommentare anschließenden Eintrag gepostet:
http://breakingthewaves.net/2012/03/23/abregen-noch-mal-zu-regeners-rant-bzw-kommentaren-dazu/