„Emptiness… Tis All I See“

Es ist ganz ungewohnt, mal wieder zu bloggen, ohne dass der Anlass ist, dass ich mich über etwas aufrege, sondern einfach nur weil die nötige Ruhe dafür da ist, und da ist sie, weil ich mir diese Woche mal etwas Freizeit zwangsverordnet habe. Dabei gibt’s aber genug was mich aufregt. Zum Beispiel: FreundInnen der Bass Music haben vielleicht dieses lame kackscheiß-sexistische fanmade DISCLOSURE Video gesehen, das grad die Runde macht. Sehr schade, dass DISCLOSURE (von BENGA drauf aufmerksam gemacht, dem es auch taugt) es laut ihrem Twitter auch noch cool finden und nach der Adresse des Machers fragten, um ihm Geschenke zu schicken. Da kann ich den Titel ihres neuen Tracks – „What’s in your head?“ – leider nur noch ironisch lesen.
(EDIT: Hier auf FB gehen in den Kommentaren zum DISCLOSURE Statement dazu die Meinungen auseinander, aber der Machismo-Block überwiegt.)

SCUBA-ismus greift anscheinend um sich in der UK Bass Szene. So richtig Spaß macht das nicht mehr. Wenn ich alle paar Monate wieder ein paar Deppen von meiner Playlist streiche, spiel ich irgendwann nur noch Zeugs von Ben UFO und Kuedo oder so. Aber mal ehrlich: Sexismus in den Clips taucht ja nicht isoliert auf, sondern sagt ja etwas aus über die Szene, die immer mehr Leute birgt, die das posten und die das mögen bzw. nichts dagegen sagen. Damit ist die Bass Music halt zu einer weiteren Dance Music Szene geworden, in der Frauen bis auf ein paar Ausnahmen auf’s Visuelle reduziert auftauchen, als sexuell stimulierende Untermalung zur Musik. Und da spreche ich nicht nur von Videoclips, sondern letztlich findet sich das gewissermaßen auch in der Partyrealität. Auch hier in der Stadt ist die Bass Music Szene zu so einem Jungsdingens geworden. Zu Anfangszeiten von sub:city hatte ich noch das Gefühl, dass da auf der Party auch die Frauen wegen der Musik da waren und sich genauso gut auskannten und es nur eine Frage der Zeit wäre, bis manche von ihnen auch mal auflegen würden. Aus dieser offenen Zeit, in der alles möglich erschien, ist leider – belehrt mich gerne eines besseren, wenn ich mich da total täusche – eine weitere Szene geworden, die zwar um zahllose Subgenres und Partyreihen gewachsen ist, aber sich mit dem Bekannterwerden auch in Richtung der typischen Dance Music Rollenverteilung verfestigt hat: Die DJs sind so gut wie alle männlich und das juckt auch keineN, dass es so ist. Das ist keinen Deut anders als in einer dieser Nimmt das Interesse daran ‚conscious‘ Club Culture mitzugestalten, die ihre Wurzeln in der linken Szene auch im ‚Wie‘ der Parties umzusetzen versucht, wirklich immer mehr ab (und ich meine nicht die Musikauswahl und ich meine auch nicht dieses retromantische ‚wir sind ja alle so ‚Liebe‘ und ‚House‘ und auf dem Dancefloor sind wir alle gleich (weggedrogt)‘ Hippiegetue)? Hauptsache, der ‚Style‘ passt – geht’s nur noch um Deko und Musikauswahl? Hmpf. Weiß nicht.

Irgendwie sind wir jedenfalls wieder in so einen langweiligen Szene-Rollensplit geraten, in dem es den meisten Frauen anscheinend reicht zu Tanzen und statt Musik&Auflegegerätschaft&-technik ihr Styling zur Wissenschaft zu erheben und DJs anzuhimmeln. Very urban. Very 2012. Und die Herren DJs fragen sich auch nicht warum und versuchen dem nicht entgegenzuwirken, sondern entweder genießen sie es, oder denen, die’s gern anders hätten, ist es dann letztlich doch trotzdem wichtiger, ihre Zeit und ihre Gedankem darauf zu verwenden, ihr Ding, ihren Style, durchzuziehen, statt diese Entwicklung in einem Szenekontext zu sehen und sich da aus ihrer relativen Machtposition heraus auch mit in der Verantwortung zu sehen. Und vielleicht auch mal über so ein Sujet die Club Culture der eigenen Stadt kreativ und ‚revolutionär‘ (harhar) mitzuprägen. Von manchen kommt, wenn du’s ansprichst, wenigstens noch ein hilfloses ‚Was soll man denn da machen?‘ und ‚Sind ja auch selber schuld, die Frauen. Sie könnten ja, wenn sie nur wollten.‘ oder ‚Ich kenn halt keine Frau, die das so macht, wie es bei mir in die Party reinpassen würde.‘ etc. etc. Naja, und weil ich keine Lust auf solche und ähnliche Sätze habe, und ich der ewiggleichen Diskussionen etwas müde bin, hab ich auch aufgehört, das Thema anzusprechen. Bis auf jetzt grad, aber ich hör schon wieder auf. Blame DISCLOSURE.

Mich macht es jedenfalls immer wieder mal traurig, das mitzuverfolgen, weil ich noch die Zeit kenne, in der es gerade in Nürnberg richtig viele weibliche DJs gab, wenn’s um Dance Music ging, und damals war das Thema ‚Geschlecht‘ für mich da einfach nicht vorhanden, weil alles relativ ausgewogen erschien. Deswegen gab’s da auch keine Hemmschwelle in Form des Gefühls etwas für sein Geschlecht Exotisches zu tun. Kann mir jemand sagen, wann und warum und wie wir das verloren haben?

Ich halte ja den Spruch, dass du nix kritisieren sollst, für das du keine Verbesserungsvorschläge hast, persönlich für völligen Blödsinn, aber nichtsdestotrotz: Ich wünsche mir wieder mehr Jungs, die sich trauen, ihre festen Regeln was ihre Partyvorstellungen betrifft zu lockern und auch mal gezielt Frauen zum Auflegen einzuladen, auch wenn sie nicht genau ihren Ansprüchen von Skills und Musikauswahl entsprechen. Oder postet mal bewusst nicht nur Tracks von Typen auf fb, macht euch doch auch mal auf die Suche nach spannendem Neuen von Frauen – bloß weil’s eure DJ Mags oder Blogs nicht tun, müsst ihr das ja nicht blindlings nachmachen. Oder warum nicht mal ein von Jungs initiierter DJ Workshop, der nur für Teilnehmerinnen offen ist? Und macht das Ganze auch unter Männern zum Thema – signalisiert anderen DJs, dass ihr es seltsam findet, wie es ist, und dass euch dran läge, mehr aktive Frauen in der Szene zu haben. Ermutigt Frauen in eurem Bekanntenkreis, von den ihr wisst, dass sie sich für Musik interessieren, auch aktiv. Oder interessiert euch dafür, was sie davon abhält, sich auflegen zu trauen, und wenn es um den Erwartungsdruck geht, versucht, ihnen den zu nehmen.

Oder um zum Anfang dieses Postings zurückzukehren: Äußert euch zumindest lautstark, wenn Leute so einen Dreck wie diesen Clip zum neuen DISCLOSURE Track hypen. Ihr glaubt gar nicht wie ermutigend und wohltuend das für Frauen in der Szene ist, die sowas oft nur schweigend mitverfolgen, weil sie’s müde sind, für eine Bemerkung blöde Sprüche zu kassieren. Ich fand’s ja z.B. auch sehr schön, als jemand (ich glaub vom ilxor board) auf eine Diskussion um die zunehmenden Trend von Tits’n’Ass-Standbild-Youtube-Clips zu den neuesten Bass Tracks reagierte, indem er als Persiflage den Youtube Kanal ‚UK Hunky‘ einrichtete, in dem er solche Tracks mit sexy Männerbildern postete. (Jaja, billiges Konter eigentlich, aber durch das Wortspiel mit ‚UK Funky‘ eben doch irgendwie gut.)

So, damit habe ich, fürchte ich, mal wieder bewiesen, dass ich doch nicht fähig bin zu bloggen ohne mich über irgendwas aufzuregen. Und dann auch noch schon wieder so was feministisches. Mist. ^^
Ich versuche es glaub ich später noch mal, mit einer Reihe Konzertreviews, denn ich war auf einigen in letzter Zeit und noch dazu einigen richtig guten.

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