Queer Ally For The Straight GQ – mein Problem mit der #Mundpropaganda Kampagne

(via many-sexuals-so-edgi-wow tumblr)

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Vor ein paar Tagen hat das deutsche GQ Magazin eine Kampagne namens ‚Mundpropaganda‚ gestartet. Es handelt sich dabei um eine Fotoserie von sich küssenden männlichen Hetero-Berühmtheiten. Viele meiner schwulen Freunde scheinen die Kampagne zu mögen. Manche weil sie es sexy finden. Manche weil sie sie als Verbündete empfinden. Wie so oft werde ich mal wieder die Spielverderberin sein.
Lasst mich einen Satz aus dem GQ Editorial herauspicken um zu erklären warum:

„Sich küssende Heteros – dieser Mut ist absolut männlich.“

Dieser Satz sollte es klar machen: Dies ist kein GQ-Willkommensgruß für Schwule sondern es geht bei der Aktion um gefakte gleichgeschlechtliche Küsse als heroischer Akt von heterosexuellen Männern. Vielleicht war die Intention eine andere, oder vielleicht zielt GQ darauf ab, Schwule als Zielgruppe einzukassieren ohne tatsächlicher schwuler Sexualiät Raum zu geben, oder sie wollten einfach bloß eine medienwirksame rührselige soziale Konflikt-Sache für die Weihnachtsausgabe haben. Mir ist die Intention herzlich egal, für mich zählt das Resultat.

Dass sie es zu einem Hauptstatement der Aktion gemacht haben dass es Männer Mut kostet einander zu küssen ist das ‚No Homo‘ dieser Kampagne. Auf den ersten Blick mögen die Bilder erotisch erscheinen, aber die sie umgebenden Texte und der ‚Making Of‘ Clip tragen die deutliche Botschaft: „Es ist echt hart für uns, das zu tun, aber wir haben unseren Ekel überwunden um Solidarität mit euch zu zeigen – sind wir nicht toll?“ Es wird so explizit betont, dass die Küsse fake, also falsch, unecht sind, dass es diese Küsse selbst des bloßen Schattens von schwulem Verlangen beraubt. Die Interviews sind dazu da, dass die Küssenden sagen können, wie schwer es für sie war, in dieser Art solidarisch zu sein und dass sie viel lieber Frauen küssen. Der ‚Making Of‘ Clip zeigt wie manche von ihnen vor Lachen halb zusammenbrechen als sie versuchen sich zu küssen, usw. Partiell ist das ganze gefährlich nah dran schwule Sexualität als abstoßend und unnatürlich zu redämonisieren, egal ob sie eigentlich das Gegenteil bewirken wollten. Umgeben von all diesem Gerede über die Gefaktheit werden die eigentlichen Bilder zu einem zutiefst desexualisiertem Bro-Ding. Dadurch trägt der Kuss letztlich mehr dazu bei, die Heterosexualität der Küssenden zu reaffirmieren als tatsächlich der homoerotische Protest zu sein, den sie erzeugen wollten. (Für mehr zu diesem Phänomen empfehle ich „Bro-Porn: Heterosexualizing Straight Men’s Anti-Homophobia“, von Tristan Bridges und C.J. Pascoe).

Ich weiß nicht, ob GQ die Idee von der tatsächlich existierenden kreativen Protestform der queer Kiss-Ins hat. Da sind oft ’straight allies‘ (‚heterosexuelle Verbündete‘ klingt nicht so schön, also belass ich’s lieber beim englischen Begriff; ebenso wie beim Titel dieses Beitrags sehe ich da keinen Sinn in einer Übersetzung) dabei. Es ist nicht so, dass es für gleichgeschlechtliche Heterosexuelle, grundsätzlich immer eine schlechte Idee ist, als Protest gegen Homophobie miteinander rumzuknutschen, aber wenn sie dabei sofort auch markieren, dass sie nicht wirklich homosexuell sind, dann ist das ein klares Zeichen dafür, dass hier gleichgeschlechtliches Verlangen nicht respektiert oder gar sich darüber lustig gemacht wird. Außerdem könnte es kontraproduktiv sein, es zu nur zu tun um von queeren Leuten Applaus zu bekommen.

bro-hug

via pourmecoffee twitter

Ich versuche mal, nicht nur zu rumzukritisieren, sondern auch ein wenig Queer Ally For The Straight GQ zu spielen: Wie hätte diese Kampagne aussehen müssen, damit sie mir taugt? Im besten Fall hätte sie sich um queer-inklusives sexy Küssen gedreht, und mit ‚queer‘ meine ich: alle Geschlechter und sexuellen Orientierungen. So dass Leute die Bilder ansehen und keinen Unterschied festmachen können, sondern als Eindruck nur das Küssen als süßer sinnlicher erotischer Akt zwischen allen möglichen Menschen bleibt. Wenn ihr es auf ‚Fake-Küssen‘ einschränken müsst, warum dann nicht auch eine lesbische Frau die einen schwulen Mann küsst neben diesen Heterotypen abbilden? Wenn ihr keine Frauen mit reinnehmen wollt, weil es ein ‚Gentlemen’s‘ Magazin ist, warum nicht wenigstens schwule oder Trans*-Männer unter die Heteromänner mischen? Das absolute Minimum aber wäre gewesen: Wenn ihr nur Heteromänner dafür zeigt, dann markiert sie NICHT auch noch als solche.
Um es in Celebrities auszudrücken: Es ist ein wenig wie der Unterschied zwischen George Clooney und Jake Gyllenhaal. Beide wurden oft gefragt, ob sie schwul seien, beide sprechen nicht gern über ihr Privatleben. Gyllenhaal macht es aber sehr klar, dass er nicht schwul ist und fügt noch eine ‚Titten und Ärsche‘ Bemerkung hinterher, in einem nicht ganz so schönen ‚echte Männer sind sexistisch‘ Beweis. Clooney dagegen sagt, er würde niemals behaupten nicht schwul zu sein, weil er damit Schwulsein als etwas kennzeichnen würde, von dem er das Bedürfnis hätte sich zu distanzieren, etwas Negatives, und das fände er nicht respektvoll der Gay Community gegenüber. In diesem (zugegebenermaßen ziemlich-hinkenden aber Clooney-in-einen-Blogpost-einzubauen-schadet-nie) Vergleich steht die ‚Mundpropaganda‘ Kampagne ganz offensichtlich viel weiter auf der Gyllenhaal-Seite der Dinge.

mackle-gentrification

GENTRIFICATION IS REAL via sophfierce twitter

Anderer Kerl, ähnliche Sache: Macklemore. Ich habe erst so richtig realisiert wie wenig ich den großen Macklemore Hit ‘Same Love’ ausstehen kann, als ich hörte, wie Angel Haze den Song für sich eroberte:

Ihre Version (hier die Lyrics) ist um so vieles ermächtigender. Manche Versuche ein Straight Ally zu sein lassen keinen Raum in dem tatsächlich homosexuelle Menschen gehört werden könnten. Sie können Queers auf die Position verdammen, die sich engagierenden Heteros aus der Ferne zu begehren und/oder ihnen zu applaudieren für… – nun ja, im GQ Fall, wenn du drüber nachdenkst: letztlich dafür öffentlich hetero-männliche Abscheu vor männlich-gleichgeschlechtlichem Küssen auf’s neue festzuzementieren. Wenn ein oft übelst homophobes Blatt wie die BILD auf meiner Seite ist, oder der Playboy sich mit dem Posten eines misogyn-lesbophoben Bildes zweier sich offensichtlich für den männlichen Blick küssenden Frauen kontert, und beides freudig auf der GQ Website als Zeichen dafür geteilt wird, wie gut die Kampagne läuft, dann zeigt (gentle)man ja ziemlich deutlich, wie unwichtig ihm die Positionierung gegen Diskriminierung wirklich ist.

In “Why We Should Care How Straight Allies Benefit From Their Support” fragen Tristan Bridges und C.J. Pascoe:

Wieviel Anerkennung verdient Macklemore für sein Coming Out als Straight Ally? (Und er lässt uns wissen, dass er hetero ist, erwähnt es zu Anfang des Songs, dass er schon immer Mädchen geliebt hat.)“ [Übersetzung von mir]

Sie vergleichen die Situation mit dem ‚Wirtschaftssystem der Dankbarkeit‘ (‘economy of gratitude’), das es oft bei Heteropärchen gibt:

In ihrer Untersuchung fand (Ariel) Hochschild heraus, dass Ehemännern oft mehr Dankbarkeit für das Mitmachen bei Hausarbeit entgegengebracht wurde als Frauen. Das heißt, bei Männern wurde sich subtil – aber systematisch – für ihre Hausarbeit ‚über-bedankt‘ und das in einer Weise, die ihren Ehefrauen nicht zuteil wurde. Dieser einfache Fakt, argumentierte Hochschild, war viel folgenschwerer als es zunächst erscheinen mochte. Es war ein indirekter Weg Männer symbolisch darüber zu informieren dass sie sich an einer Arbeit beteiligten, die von ihnen nicht verlangt wurde. Tatsächlich haben wir eine ganze Sprache für die Teilnahme von Männern an Hausarbeit, die Hochschilds Ergebnisse bestätigt. Wenn Männer etwas übernehmen, sagen wir, dass sie ‚aushelfen‘, ‚einspringen‘ oder ‚babysitten‘. Diese Begriffe erkennen ihre Arbeit an, aber rahmen gleichzeitig ihre Teilnahme als ein ‚Extra‘ ein – eher als eine fürsorgliche Geste als eine Verpflichtung.

Wir würden sagen, dass etwas ähnliches mit männlichen Straight Allies passiert. Wir alle sind daran beteiligt, die Arbeit an der Gleichheit so zu definieren als wäre sie nicht ihre Sache, indem wir ihnen zuviel Dankbarkeit erweisen, genauso wie Hausarbeit als ‚keine Männerarbeit‘ definiert wird. Indem wir diese ‚mutigen‘ Männer in Machtpositionen (racial, sexual, gendered, und machmal auch classed) für ihre Anerkennung loben, sagen wir zu ihnen und zu anderen: Das ist nicht euer Job, also danke, dass ihr in Sachen Gleichheit ‚aushelft‘.
[Übersetzung von mir]

Tristan Bridges und C.J. Pascoe schließen daraus warnend:

Lasst uns nicht Anti-Homophobie zum Äquivalent von ‚Babysitting‘ für Väter und Aktivismus zur de facto ‚zweiten Schicht‘ für marginalisierte Leute machen. Die Bewegung für Gleichheit sollte in der Verantwortung aller liegen und ein Auftrag für alle sein.

Ein weiterer Punkt, der mir bei dieser Kampagne in den Kopf kam, ist dass GQ indem sie so eine Kampagne auf die Schwulen-Community mitausrichten zu einer bereits existierenden Kluft zwischen Schwulen und Lesben beitragen. In der Welt von GQ, einem Männermagazin, das für eine stylishe Sorte Frauenfeindlichkeit steht, die mich ein wenig an old school James Bond erinnert, existieren Heterofrauen fast ausschließlich als das fickbare Andere und lesbische Frauen existieren eigentlich gar nicht.

Ich folgte einem Twitterlink zu einer anderen GQ Story, die inzwischen gelöscht wurde: Eine Geschichte, in der ein Mann uns erzählt, dass er die Sorte Kerl ist, der jede Frau kriegen kann und sich deshalb als neue Herausforderung vornimmt, eine Lesbe zum Hetero zu bekehren. Das gelingt ihm dann wohl auch vier Seiten später. (Ich hab nur den Anfang überflogen und das war ganz und gar so wie du es dir vorstellst: Frauenfeindlich, Stereotypen davon wie Lesben aussehen, und der Anspruch dass Lesben nur Heterofrauen seien, die noch nicht von Mr. Right gefickt worden sind.) Als die ersten Zeichen eines Social Media Shitstorms aufkamen, nahm GQ diese Geschichte vom Netz, und zwar mit dem Argument sie sei schon älter und würde nicht mehr ihre Einstellung repräsentieren. Inzwischen haben sie sogar ein Interview mit der lesbischen Aktivistin Yelena Goltsman online. PR Disaster vermieden? Scheint so.

Natürlich ist die GQ Kampagne nicht in erster Linie eine Werbekampagne für das Magazin, aber die Übergänge sind dieser Tage fließend und ich sehe Parallelen zu einem gewissen Typ von Werbung, die Sozialkritik benutzt. Nimm zum Beispiel die #whipit Pantene Werbung, die sich um geschlechterspezifische Doppelmoral dreht:

Die Botschaft ist: „Don’t let labels hold you back. Be strong and shine.“ Nun, so lange das nicht auf die Art von ’shining‘ anspielt, die mit Frauen zu tun hat, die Jack-Nicholson-mäßig mit einer Axt hinter den Labels her sind, die sie zurückhalten, kann ich nicht wirklich sehen, wie ‚Glänzen‘ gegen geschlechterspezifische Doppelmoral helfen soll. Einer der Kommentare auf youtube oder facebook dazu war: „Verkaufe dein Produkt indem du deinen angestrebten Markt davon überzeugst, dass du mehr darin investierst zu gefühlsmäßig aufgeladenen, global relevanten (…) Problemen etwas beizutragen, als darin für dein Produkt Werbung zu machen.“
Oder nehmt die ‚Beauty Sketches’ Dove Werbung, ein echter Tränendrüsendrücker:

Beachte dabei, dass Dove genauso wie Axe Teil von Unilever ist, was ein recht nettes Konzept ergibt: Zerstöre die Egos von Frauen mit Axe-Werbung und bau sie dann mit Dove-Werbung wieder auf. Ein Erfolgsrezept seit vielen Jahren. Ich glaube, es ist recht einfach zu sehen, wie der Aspekt der Sozialkritik durch solche Kontexte der Bedeutung entleert oder sogar lächerlich gemacht wird.
Genauso ist bei ‘Mundpropaganda’. Stell es dir als auf Viralität hin produzierte Kampagne vor ein Männer-Lifestyle-Magazin zu verkaufen. An Männer, die Gay Rights unterstützen und an Schwule, aber möglichst ohne die konservativen Heteromänner unter der Leserschaft zu vergraulen.
Wenn sie über Homophobie schreiben, schaffen sie es irgendwie Frauen dabei völlig rauszuschreiben, einfach indem über sie nicht geredet wird. Sie sprechen über Homophobie als beträfe diese nicht auch Frauen und TI*-Leute. Lasst uns auch nicht vergessen, dass es die Sorte Magazin ist, die auf einen gewissen Typ von Mann zielt: Maskulin, selbstsicher, erfolgreich, stylish. Nicht-so-maskulin aussehende, sich benehmende, denkende Männer oder Trans*-Männer sind nicht Teil der GQ Welt. Diese ist so unqueer wie’s nur geht: Eindimensionale heterosexuelle Maskulinität.

Das findet Anklang bei bzw wird sogar als Idealbild von manchen schwulen Männern angestrebt, nicht zuletzt weil das negative Stigmatisieren von ’schwul‘ mit Weiblichkeit verbunden ist. ‚Schwul‘ als Schimpfwort kann meist einfach ‚wie ein Mädchen‘ ausgetauscht werden. Das Stereotyp des ‚weibischen‘ Schwulen ist etwas, womit viele schwule Männer fürchten verglichen zu werden, und vielleicht sind die Fitnessstudio-besessene Muskelschwulenszene ebenso wie die heteronorm-angepassten konservativen Schwulen auch eine Reaktion auf diese Art von Homophobie.
Queere Menschen gibt es aber nun mal in allen Formen und Größen und Farben und aus allen Klassen. Das war eine Stärke der Queer Community und sollte es auch bleiben. Kampagnen wie ‚Mundpropaganda‘ können die Kluft zwischen erfolgreichen weißen Männern und dem Rest der LGBTBI* Community vertiefen. Wie Mykki Blanco sagte: „Homophobie kommt von Misogynie, dem Hass auf Frauen. Wenn du die Verbindung zwischen Homophobie und Frauenhass nicht siehst, bist du blind.“
Also, meine lieben egal-wie-auch-immer-sich-als-männlich-definierenden Brüder, wenn GQ sagt, „dieser Mut ist absolut männlich“ bitteschön hört auf brav die Fotos dieser Heterotypen anzusabbern, sondern sagt stattdessen: „Suck my left one! Jede queer-feministische Lady da draußen hat mehr Mut gezeigt und mehr zu meinen Gay Rights beigetragen als eure sich-selbst-auf-die-Schultern-klopfende hetero-exklusive Kampagne!“

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26 Kommentare

  1. danke für diesen artikel und deine meinung. habe von der aktion gelesen und hatte ein ungutes gefühl. konnte aber nicht genau sagen warum. du hast meiner meinung nach genau den punkt getroffen.

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  2. Du analysierst sehr viel besonders in das Drumherum der Kampagne hinein, das aber mir vom Bedürfnis des Magazins getrieben erscheint, die Kampagne eben ihrer Stammleserschaft (die du sicher irgendwo richtig charakterisierst) schmackhaft zu machen. Insofern vielleicht sogar eher wieder löblich, in dem Sinne, es positiv zu inszenieren? Was das Detail des (irritierten/verschüchterten) Lachens der Männer in den Videos angeht, sie sind es wohl einfach nicht gewöhnt, andere Männer auf den Mund zu küssen, schon gar nicht Fremde oder Freunde? Ich fände es auch unangenehm oder zumindest sehr ungewöhnlich, einen anderen Mann auf den Mund zu küssen, den ich kaum kenne bzw. mit dem ich in keiner romantischen Beziehung stehe. Das ist irgendwo unsere westliche Kultur, ich glaube, in arabischen/östlichen Kulturen ist das anders? Einmal sah ich ja zB einen deutschen Vater, der seinen Sohn zum Abschied auf den Mund küsste im Fernsehen. Einerseits fand ich das sehr schön, andererseits sehr ungewöhnlich/befremdend. Ein Kuss auf den Mund ist in unserer Kultur nunmal etwas sehr Intimes, irgendwo auch sicher Sexuelles. Und Herpes kann man sich auch holen ;o).

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    1. Das Lachen ist doch nur einer von vielen Markern, die signalisieren, dass es hier nicht um Erotik geht. Und es ist mitinszeniert, es ist ja bewusst ausgewählt und drinnen gelassen, insofern würde ich es nicht damit vergleichen, wie du oder ich uns dabei fühlen oder wie wir uns verhalten würden.

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  3. Ich glaube am Ende spielt es einfach keine Rolle mit welcher Intention man sich gegen eine Form der Diskriminierung engagiert, solange man sich eben nur engagiert. Klar kann man es doof finden, dass z.B. Macklemore in seinem Song erst klarstellen muss, dass er hetero ist… am Ende bleibt es aber ein Song gegen Homophobie und das ist doch was zählt. Dass jetzt Mundpropaganda in erster Linie eine nette PR-Aktion der GQ ist, steht außer Frage. Aber sie erregt ja dennoch viel Aufmerksamkeit und setzt ein Zeichen. Immerhin wird das Thema jetzt überhaupt mal in Deutschland diskutiert. Klar behaupten die meisten heutzutage „ja nix gegen Schwule“ zu haben, aber wer steht denn wirklich mal gegen Alltagshomophobie ein? Da ist mir eine medienwirksame Kampagne mit mehr, oder minder prominenten Heteromännern zur Abwechslung mal ganz recht.

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    1. Mir geht es aber doch eben gar nicht um die Intention, sondern um das was dabei rauskommt. Meines Erachtens wird schwule Sexualität kein bisschen akzeptierter, wenn sich gleichgeschlechtliche Heteros als öffentlichkeitswirksame Mutprobe überwinden sich gegenseitig zu küssen. Was soll das denn beweisen? Diese Küsse haben ja eben nichts mit gleichgeschlechtlicher Sexualität zu tun. Und das Thema, das jetzt diskutiert wird ist, wie toll es ist, dass diese Heteromänner sich das trauen. Es wird ja eben nicht über Homophobie oder andere Probleme von LGBTI* Leuten gesprochen.

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  4. Ein superinteressanter Text von dir, der das Ganze kritisch beleuchtet. Finde ich echt gut, mal so etwas gelesen zu haben! 🙂 Den Fakt mit Unilever kannte ich überhaupt nicht.

    Zu den Markern und Ähnlichem: Irgendwo kann ich es nachvollziehen, dass sie solche Dinge tun wie Lachen bei der Kuss-Aktion. Man muss ja auch immer das sehen, woraus der weiße Hetero-Mann kommt und dem die Promis, die beteiligt sind, nun als Individuum etwas entflüchten. Ich bin ja der Meinung, dass gerade erst das „Männerrudel“ all diese Dinge generiert, aus denen die Konstrukte hervorgehen. Deswegen finde ich es – und die Promis machen das ja schon freiwillig und wollen das tun – doch irgendwo gut, dass sie das tun, auch wenn sie zeitweise in ihre (das ganze auflösende) Rollen fallen. Dass da keine große Erotik zwischen – wie sie sich wahrscheinlich bezeichnen würden – Heteromännern zustande kommt, ist ja klar. Aber sie sind solche Aktionen aus ihrem Umfeld auch einfach nicht gewohnt, wie man an den Reaktionen sieht. Fettes Brot im Gegensatz dazu sagen, dass sie sich schon oft geküsst haben und das ganz normal finden, aber so ein Moses Pelham kommt eben aus einem völlig anderen Milieu, wofür man auch Verständnis zeigen sollte. Nicht jeder kann, auch wenn er Gutes bewirken will, direkt über all seine vorkonstruierten Mauern springen, weil man es jahrzentelang mitgenommen hat.

    Wo ich dir aber definitiv Recht geben muss, ist die Einseitigkeit. Keine andere sexuelle Orientierung bzw. Identität kommt hierbei zu Wort, was ich sehr schade finde. Obwohl man mittlerweile schon viele Nacheiferer auf anderen Internetseiten findet.

    Nochmal vielen Dank für den Text!

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    1. Danke dir. Ich fände, wenn sie die Fotos ganz allein hätten stehen lassen, sind durchaus ein paar dabei, die Erotik ausstrahlen. Auch bei einem Kuss zwischen zwei Schwulen wäre vor Kamera in grellem Licht wahrscheinlich nicht wirklich Erotik aufgekommen – es geht ja um Inszenierung, nicht um etwas Authentisches. Zurückgenommen wird die Erotik der Bilder ja ganz bewusst durch den Rahmen in dem sie präsentiert werden, sprich: ich kritisiere es, dass der GQ so viel Wert darauf gelegt hat, den Fake als Fake zu kennzeichnen. Das meine ich mit meinem Hiphopvergleich ’no homo‘.

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  5. Ich stimme Flochjan zu. In meinen Augen wird an dieser Kampagne ein bisschen zu viel herumanalysiert und herumgemäkelt. Sie ist eben Mainstream, von dem her sicher irgendwo oberflächlich etc, aber da (im Mainstream) sollte Homosexualität eben auch mehr ihren Platz finden, aber nicht nur in der Form von Klischees, wegen denen viele Männer (egal, ob homo oder hetero) nicht unbedingt als „schwul“ dastehen wollen wahrscheinlich.

    Antwort

    1. Noch mal: Die Kampagne rückt nicht Homosexualität ins Rampenlicht, sondern Heteros die sich für ihre wahnwitzige Toleranz-Aktion gegenseitig auf die Schulter klopfen. So viel Kritik sehe ich auch nicht. Ich kenne lediglich einen Freitag und einen taz Artikel, der Rest feiert die Aktion doch eher blindlings ab.

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  6. Ich verstehe deinen Ansatz und kann ihn ein Stück weit nachvollziehen. Letztlich denke ich aber, dass Du den Korb einfach zu hoch hängst.

    „(Hetero-) Mann kann einen (Hetero?-) Mann küssen, ohne gleich tod umzufallen, ist ja interessant!“

    In Kreisen und Gedankenwelten wo schon der Untergang des Abendlandes heraufbeschworen wird (Positive Darstellung X-sexueller und X-identer Menschen im Bio-Unterricht = Umerziehung zum Schwulsein, bewirkt sexuelle Verwirrung bei Kindern…)
    ist das schon mal ein Anfang, wenn auch ein kleiner.

    Menschen die gedanklich wesentlich weiter sind lesen vermutlich weniger Blätter wie Praline, Playboy oder GQ.

    Das letztlich jede Kampagne dazu dient, Leser zu halten oder idealer Weise neue hinzuzuerlangen ist auch nicht verwunderlich sondern legitim.

    Kurzum: Ich bin von #Mundpropaganda nicht total begeistert, kann aber weder explizite noch implizite Homophobie erkennen und unterstelle positive Absichten. Das man das Ein- oder Andere hätte besser machen können: Geschenkt.

    Antwort

    1. Das ist eine etwas arg vereinfachte Zusammenfassung. Ich sehe es nicht als Anfang von irgendwas, sondern um’s mal provokativ zu sagen als in etwa so wirksam für LGBTI*-Akzeptanz wie die Darstellung von Schwulen in Michael Herbig Filmen.

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  7. ok….also in einigen Punkten muss ich Dir durchaus recht geben – aber grundsätzlich finde ich als schwuler Mann die Aktion „Mundpropaganda“ grossartig – Russland & Indien – der Papst ist ja sogar weiter!
    Bilder können oft Dinge erwirken , die länger hängen bleiben als Worte…

    Antwort

    1. Pardon, aber ich verstehe beim besten Willen nicht, wie jemand glauben kann, dass sich was an der Situation von LGBTI* Leuten in Russland oder Afrika ändert, weil sich ein paar deutsche Heten küssen. Da muss man erst mal drauf kommen. 😀
      Ich glaube ja noch nicht mal, dass die hierzulande irgendwas ändern.

      Antwort

  8. Ich kann deine Bedenken gegen die Kampange gut nachvollziehen – vorallem nach dem lesen des Textes aber auch vorher sind mir die Dinge die du ausformuliert hast negativ aufgefallen.

    Allerdings interpretiere ich deinen Text so, dass du nicht sagst „Man hätte viele Dinge besser machen können aber insgesamt find ichs gut“ sondern (überspritzt gesagt) verstehe ich das ganze eher als „Schwule wären ohne die Kampange besser dran als mit“

    Und dem muss ich widersprechen. Undzwar aus folgenden Gründen:

    1.) Wie vor mir schon jmd gesagt hat, ist es für viele Menschen in Deutschland leider immer noch ein Wunder das „Männer nicht tot umfallen wenn sie andere Männer küssen“
    Außerdem glaube ich, dass viele verwundert sein werden, dass ihr „männliches macho Magazin“ (oder wie auch immer manche GQ-Leser ihr Magazin ansehen) plötzlich eine Kampange startet die ganz klar „pro-Homo“ ausgerichtet ist.
    Selbst wenn sie deiner Meinung nach homosexuellen sogar schadet, musst du zugeben, dass die Kampange ganz klar „pro-Homo“ titelt. Und ich glaube der Mann der homophob ist wird als erstes das sehen, nämlich „Ohgott die finden das gut?!“

    2.) Auch wenn die Kampange vl „falsch“ durchgeführt wurde (im Sinne von es küssen sich nur heterosexuelle Männer und man sieht es ihnen an, dass sie es nicht gern tun) bewirkt sie m.M.n. trotzdem das richtige. Bestes Beispiel dafür:
    Nachdem sich Joko & Klaas geküsst haben und es auf Facebook gepostet haben entsteht unter ihrem Bild eine hitzige Diskussion. Am Ende sieht man aber nur noch lauter „Homosexualität ist das normalste auf der Welt“-Kommentare und jeder der etwas anderes postet spürt, dass er mit seiner Meinung nicht aktzeptiert wird.
    Und ich glaube auch das ist etwas in die richtige Richtung.

    Insgesamt muss ich dir zustimmen, was die „man hätte es besser machen können“-Argumente angeht allerdings finde ich du übertreibst starkt, wenn die diese Kampange als negativ auszulegen versuchst. Weil – egal wie viel falsch gemacht wurde – es wurde genug richtig gemacht, so dass man einen kleinen Stein zum Rollen gebracht hat durchden viele gemerkt haben, dass sie mit Ihrer Meinung doch nicht so … naja „beliebt“ sind wie sie dachten oder durch den andere (vl junge Menschen in der orientierungsphase) gemerkt haben, dass sie von der Gesellschaft akzeptiert werden – egal welche sexuelle Orientierung sie haben (werden).

    Viele Grüße, bin gespannt auf deine Antwort 🙂
    Niko

    Antwort

    1. Danke für den langen Kommentar und sorry für die späte Antwort, Niko!

      Dass es auch in Deutschland Leute gibt, die so homophob sind, dass sie sich darüber wundern, dass sowas von der GQ kommt, stelle ich gar nicht Frage, aber ganz ehrlich: glaubst du, dass diese Fotos jemanden von denen dazu bringen, umzudenken?
      Letzlich ist der größte Effekt der Aktion doch bislang, dass sich Heteros gegenseitig dafür auf die Schulter klopfen, was sie da für großartiges humanitäres Engagement für Benachteiligte zeigen. Weihnachtliches Feelgood-Charity-Brimborium.

      Und auch bei deinem zweiten Punkt glaube ich nicht, dass die homophoben Kommentierenden ihre Vorurteile dadurch abgelegt haben, sondern sie fühlen sich jetzt halt als die zensierten Opfer, weil die ganzen Kommentare konsequent gelöscht wurden. Ich sehe halt nicht, dass da eine gesellschaftliche Änderung ins Rollen gebracht wurde.

      Ich habe diesen Beitrag nicht mit dem Ziel verfasst, die Kampagne schlecht zu machen. Das Schreiben über etwas ist bei mir oft eher wie lautes Nachdenken; bei dem ich durch genaueres Zerlegen und Verbindungen herstellen selber versuche zu verstehen, was da für Prozesse am Werk sind – erst mal ohne Ziel. Dabei kamen mir dann auch wieder die beiden Texte von den beiden Soziologie-Profs in den Kopf, die ich im Artikel verlinkt hatte, und die finde ich schon gut darlegen, wo das Problem bei solchen Gesten liegen kann. Die empfehle ich wirklich sehr zu lesen.

      Mich wundern bei den ganzen Reaktionen die ich im Netz auf die Kampagne gesehen habe ja vor allem zwei Sachen:

      A) In Queer Medien: Dass so viele Schwule keinen Funken Solidarität mit weiblichen LBT*-Menschen zeigen, dass sie die Frauenfeindlichkeit der GQ im allgemeinen und der wirklich hässlich lesbophobe Text der nur auf Kritik hin offline genommen wurde, kein bisschen stört. Das ist für mich, als jemand, die das Problem der Homophobie wirklich zutiefst in dem der Misogynie wurzelnd sieht, und die sich für eine Queer Community zu engagieren versucht, in der sich eben von der beknackten binären Heteronormativität zugunsten von Offenheit gelöst wird, ist das schon hart. Und wie misogyn Schwule da werden können, um die süßen Heterotypen, die sich für sie küssen, zu verteidigen… – ist echt hart, was es da in einigen Comment-Spalten gehagelt hat.

      Und B.) What the fuck happened to Gay Pride?! Ich halte Stolz ja durchaus für ein problematisches Konstrukt, aber als Selbstermächtigungsgeste/hilfe von Minderheiten durchaus für sinnvoll und wichtig.

      Neben den ganzen grade erwähnten misogynen Schwulen freue ich mich ja um so mehr was von Leuten wie Robert Niedermeyer (Queer.de u.a.) zu lesen, der sehr schön geschrieben hat, was ich hier einfach mal copy+paste:

      „Homos werden in Deutschland stets als Bittsteller oder Opfer dargestellt. GQ greift genau das auf, indem Heteros sich als die tollen tatkräftigen Gentlemen darstellen, die sich ach so ritterlich für die Belange der armen Schwulen einsetzen.
      Dabei haben es die meisten „Heteros“ selbst nötig, sich erst einmal selbst zu befreien.
      Es sind wir Schwule (und Lesben) und selbstbewussten Bisexuelle, die ihnen vormachen können, wie man sich trotz heftiger Widerstände Gehör und Recht verschafft. Wir haben Scheiterhaufen und KZs überlebt, gegen den 175er gekämpft, stehen kurz davor, das schändliche Ehe-Verbot zu kippen und verstecken uns nicht mehr in Klappen. Leider sind es die heterosexistischen Mainstreammedien, die das noch immer verleugnen und ihre eigenen schwulen Mitarbeiter im Schatten stehen lassen. In Russland oder Indien veröffentlicht, wäre die #Mundpropaganda-Aktion ein kämpferischer Schritt. In Deutschland jedoch ist sie altbacken und rückständig angesichts der gesellschaftlichen Fortschritte, die Homos wider der Heteronormativität selbst durchgesetzt haben. Das anzuerkennen wäre mal ein Weg, der meinen Respekt verdiente. Warum also hat GQ keine russischen LGBT-Kämpfer porträtiert? Ich bin also gar nicht dagegen, sondern für mehr lesbisch-schwule-bisexuelle Sichtbarkeit jenseits heteronormierter Klischeevorstellungen.“

      Verzeih, wenn das alles etwas kuddelmuddelig ist, da waren nebenbei Rotwein und das neue Beyoncé Album im Spiel. 😉

      Antwort

      1. Ich muss mich für die späte Antwort entschuldigen! 🙂

        Ich versuch mal alles Schritt für Schritt abzuarbeiten! 😉

        1) Ja ich glaube durchaus, dass es Menschen zum Umdenken bewegt hat. Warum auch nicht? Ich glaube, dass es Menschen gibt, die ihre Zeitschrift und deren Meinung als „non-plus-ultra“ sehen und ihre Meinungen der Meinung der Zeitschrift anpassen.
        Außerdem glaube ich, dass viele Grönemeyer oder Fanta4-Fans die denken Homosexualität ist abnormal, unakzeptabel oder eine Krankheit zwar auf der einen Seite ihr Idol toll finden weil er sich für iwas einsetzt aber auf der anderen Seite eben vielleicht auch zum umdenken gebracht werden. Sicher wird niemand der vorher Homosexualität für eine Krankheit gehalten hat von einer Sekunde auf die andere wegen ein paar Bildern Homosexuelle/Homosexualität akzeptieren aber ich glaube, dass die Toleranzgrenze bei vielen sicher mit solchen Kampagnen immer weiter steigt (oder sinkt? naja du weißt was ich meine 😀 )
        Und das ist meiner Meinung nach ein Schritt in die richtige Richtung! 🙂

        2) Du sagst der größte Effekt der Aktion war bisher, dass sich Heteros gegenseitig auf die Schulter klopfen – ich denke der größere Effekt waren die viele Diskussion zwischen Homophoben und „normalen“ Menschen – die viele glaube ich auch zum Umdenken gebracht hat. Ich glaube, dass es für viele eine Überraschung ist, dass so viele Menschen (heterosexuelle Menschen – vl aus ihrem Umfeld) eher Homophobie für krank halten als Homosexualität und wie viel Hass ihnen für ihre Anti-homo-Meinung entgegen geschlagen ist.

        3) siehe 2 😉

        4) Versteh mich nicht falsch 🙂 Ich finde es gut, dass du dir so viele Gedanken machst und vorallem auch, dass du sie dir öffentlich machst – dadurch hab ich etwas zu diskutieren! 😉
        Allerdings siehst du das mMn alles zu negativ.

        4A) Warum sagst du nicht einfach Frauenfeindlich? 😛 Hätte ichs mir nicht ausm griechischen herleiten können hätte ich misogyn jetzt googeln müssen 😉
        Dass es keine gute Idee war, nur männliche sich küssende Paare zu zeigen, da hab ich dir ja bereits recht gegeben. Ich schätze, dass du vor allem darin die Frauenfeindlichkeit in dieser Kampagne siehst, oder?
        Aber da muss man einfach auch an das Unternehmen und seine Zielgruppe denken. Ich meine die Unterschrift von #Mundpropaganda ist nicht umsonst „Gentlemen gg homophobie“ – es ist einfach eine Zeitschrift die ihre Zielgruppe als Gentlemen sieht und deswegen darfst du auch nix anderes erwarten

        4B) Gay Pride… was erwartest du? Dass schwule auf die Straße gehen und gegen #Mundpropaganda demonstrieren?
        Weißt du was dann passieren würde? Ich glaube du kannst es dir denken.. ich würde mich jedenfalls vor den Kopf gestoßen fühlen wenn eine Homosexueller mir da ankommt mit „ich brauche deine Hilfe nicht, das schaff ich selbst“ (so würde es jedenfalls auf mich wirken)

        Den von dir zitierten Text finde ich … nicht angebracht (vom Autor – nicht von dir).
        Die Kampagne als Rückständig anzusehen verkennt meiner Meinung nach komplett die Lage. Für mich lebt der Autor in einer Traumwelt – die jüngsten Kommentare unter z.B. dem Joko&Klaas Post haben gezeigt, dass wir noch lange nicht soweit sind wie der Autor gerne hätte.
        Überhaupt versteh ich es nicht, wie sich der Autor vorstellt, dass die GQ die Erfolge der Homosexuellen anerkennen hätte sollen (mit einer ähnlich weitreichenden Kampagne)
        Zu guter letzt mein Hauptkritikpunkt zur von dir angesprochenen Gay Pride in dem Zusammenhang:
        An sich bin ich jmd. der von Stolz um einiges mehr hält als die meisten Deutschen jemals verstehen werden… was vorallem daran liegt, dass es Deutschland verpönt ist auf sein Land stolz zu sein – das kenne ich durch meine Griechische Herkunft nicht.
        Trotzdem finde ich Gay Pride in dem zsmhang wie vom Autor geschildert falsch.
        Man sollte nicht stolz auf etwas sein mit der Begründung „wir Homosexuellen haben das ohne euch Heteros geschafft“ – weil das meiner Meinung nach einen Graben zwischen Homosexuellen und Heterosexuellen zieht der nicht existieren darf.
        Für mich darf es in ein paar Jahren/Jahrzehnten keine Rolle mehr spielen ob man Homosexuell oder Heterosexuell ist. Es muss den Menschen einfach egal sein, so wie es mir heut zu Tage hier in Deutschland egal ist ob ich einem schwarzen oder einem weißen begegne – ich hoffe du verstehst wie ich das meine 🙂

        Ich muss mich für die späte Antwort entschuldigen – und dafür, dass ich meinen Text nicht nochmal durchlese und recht schnell runter geschrieben habe 😉
        Wie ist das neue Beyoncé-Album? 😀

        Niko

        Antwort

  9. Ungeachtet dessen, dass ich dir in vielen Punkten Recht gebe, übertreibst du meines Erachtens maßlos. Du siehst in jeder Kameraeinstellung und geschnittenen Szene ein tiefere Bedeutung und versteckte Botschaft.
    Unterm Strich, wird noch immer die Botschaft vermittelt, dass sie kein Problem mit Homosexuellen haben. Ob sie nun lachen beim Küssen oder nicht, ist zweitrangig. Und ich finde auch, dass es ihr gutes Recht ist, zu lachen. Klar, das Lachen könnte einen Ekel ausdrücken, aber so ist es nicht. Das ist Werbung, Show, Inszenierung. Da kann und darf man nicht alles bis ins Kleinste interpretieren und wie du überanalysieren. Dann würde sich nämlich in jedem einzelnen Spot etwas finden lassen.
    Müsste ich, als Homosexueller, in einem Spot Frauen küssen, wenn zig Leute um mich rumstehen, die Scheinwerfer auf mich gerichtet, müsste ich wahrscheinlich auch mal lachen. Das hat jedoch noch lange nichts mit Ekel oder sonstetwas zu tun. Das ist auch einfach das Ungewohnte, das Neue.
    Jeder nimmt diesen Spot anders wahr. Jedoch so gut wie niemand wird sich hinsetzen und überlegen, ob der Spot auch negativ ausgelegt werden könnte. Wo fängt man an, wo hört man auf?!
    Man kann wirklich nicht behaupten, dass dieser Spot die Ungleichbehandlung vorantreibt- oder hast du schon wen getroffen, der gesat hat: „Also die küssen sich und lachen danach. Folglich ist ja Schwulsein etwas lächerliches. Ok, dann find ich’s nicht gut.“
    Ganz ehrlich, absoluter Schwachsinn!

    Apropos: GQ muss wohl kaum homosexuelle Männer als neue Leserschaft gewinnen. Wenn wer auf schöne durchtrainierte Männer, Diät-Tipps, Sport-Tipps, Mode und Lifestyle steht, dann jawohl wir Schwule.

    Viel bedenklicher finde ich persönlich, dass du hier jedem deine Meinung aufzudrücken versuchst und offensichtlich so überzeugt bist, als Einzige den Spot wirklich verstanden und durchschaut zu haben.

    Antwort

    1. Ungeachtet dessen, dass ich dir in vielen Punkten Recht gebe, übertreibst du meines Erachtens maßlos. Du siehst in jeder Kameraeinstellung und geschnittenen Szene ein tiefere Bedeutung und versteckte Botschaft.
      Unterm Strich, wird noch immer die Botschaft vermittelt, dass sie kein Problem mit Homosexuellen haben. Ob sie nun lachen beim Küssen oder nicht, ist zweitrangig. Und ich finde auch, dass es ihr gutes Recht ist, zu lachen. Klar, das Lachen könnte einen Ekel ausdrücken, aber so ist es nicht. Das ist Werbung, Show, Inszenierung. Da kann und darf man nicht alles bis ins Kleinste interpretieren und wie du überanalysieren. Dann würde sich nämlich in jedem einzelnen Spot etwas finden lassen.

      Basti, danke auch dir für deinen Kommentar.

      Genau weil es inszeniert ist, und sich da Leute sehr wohl Gedanken gemacht haben, was sie da wie und warum zusammenschneiden, macht das Analysieren schon Sinn. Und so tief bin ich bei dem Spot doch gar nicht ins Detail gegangen.

      Müsste ich, als Homosexueller, in einem Spot Frauen küssen, wenn zig Leute um mich rumstehen, die Scheinwerfer auf mich gerichtet, müsste ich wahrscheinlich auch mal lachen. Das hat jedoch noch lange nichts mit Ekel oder sonstetwas zu tun. Das ist auch einfach das Ungewohnte, das Neue.

      Da gebe ich dir völlig recht, aber wir sprechen ja nicht von einem ungeschnittenen Clip, der 1:1 zeigt, was bei der Session abgelaufen ist, sondern von einem Clip, für den gute Leute lange überlegt haben, was sie reinpacken und weglassen, was für eine Perspektive sie wählen usw. Und der Arbeit zollst du doch letztlich nur Respekt, wenn du dir überlegst, auf welche Wirkung sie damit abzielen.

      Jeder nimmt diesen Spot anders wahr. Jedoch so gut wie niemand wird sich hinsetzen und überlegen, ob der Spot auch negativ ausgelegt werden könnte. Wo fängt man an, wo hört man auf?!
      Man kann wirklich nicht behaupten, dass dieser Spot die Ungleichbehandlung vorantreibt- oder hast du schon wen getroffen, der gesat hat: „Also die küssen sich und lachen danach. Folglich ist ja Schwulsein etwas lächerliches. Ok, dann find ich’s nicht gut.“
      Ganz ehrlich, absoluter Schwachsinn!

      Nicht etwas Lächerliches, aber es distanziert sie davon, dass der Kuss als erotischer (miss)verstanden werden könnte. Sprich: es ist eine völlig entsexualisierte Kampagner. Bei Homosexualität geht’s aber nun mal um Sex. Auch ist es ja eben nicht nur das Lachen im Spot wäre, sondern noch mehr Sachen, die ich aufgezählt habe, die ähnliche Signale setzen. Und dann ist das halt kein Zufall mehr. Ich würde dir dazu gern auch noch mal den einen Text der beiden Soziologie-Profs ans Herz legen, den ich im Text dazu auch erwähnt habe: http://thesocietypages.org/girlwpen/2013/11/06/bro-porn-heterosexualizing-straight-mens-anti-homophobia/
      Die können das besser erklären als ich, vielleicht klingt’s dann nicht mehr wie Schwachsinn. 😉

      Apropos: GQ muss wohl kaum homosexuelle Männer als neue Leserschaft gewinnen. Wenn wer auf schöne durchtrainierte Männer, Diät-Tipps, Sport-Tipps, Mode und Lifestyle steht, dann jawohl wir Schwule.

      Stimmt, als ’neue‘ vielleicht nicht, haha. Aber nichtsdestotrotz ist das Ganze natürlich auch eine Werbekampagne. Ob sich das und wie sich das auf den Inhalt und Effekt auswirkt ist durchaus auch überlegenswert.

      Viel bedenklicher finde ich persönlich, dass du hier jedem deine Meinung aufzudrücken versuchst und offensichtlich so überzeugt bist, als Einzige den Spot wirklich verstanden und durchschaut zu haben.

      Weder habe ich nur über den Spot geschrieben, noch hab ich bei dir angeklopft und dir meinen Blog vor die Nase gehalten. Ich habe meine Gedanken zur Kampagne ins Netz gestellt und du bist hier gelandet und hast sie freiweillig gelesen und hast eine andere Meinung – ist doch völlig okay. Ich habe ja extra im Titel geschrieben ‚MEIN‘ Problem mit der Kampagne, nicht ‚DAS‘ Problem.

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  10. vielen dank für den artikel. ich kann bei den betrachtungen durchaus mitgehen… dennoch glaube ich, dass die kampagne mehr nützt als schadet. mit unserem anspruch alles perfekt zu machen, machen wir irgendwann garnix mehr. und das lachen in den clips halte ich einfach für ehrlichkeit. gut, dass die das nicht verstecken ala „für uns ist es ganz easy und normal“, denn das ist es eben nicht. und daran krankten viele kampagnen der vergangenheit. und thomas und moses sagen es ja z.b. auch in ihrem video, dass jeder eben so is, wie er is – und das ist OK…

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  11. Ich würde sagen, dass die GQ das alles so darstellt als wären die Promis total mutig gewesen, usw. Denn bei den Interviews hört man so etwas nicht heraus, dass die Promis ja richtig toll und mutig sind bei dieser Aktion mitzumachen. Das ganze wird eben nur von der GQ so inszeniert.
    Und August Diehl sagt ja auch zum Beispiel, dass er sich nach dem Kuss mit Herbert Grönemeyer nicht mehr sicher ist hetero zu sein.
    Das die GQ in der Vergangenheit nicht unbedingt mit Toleranz und Gleichberechtigung geglänzt hat steht außer Frage. Ich würde die Aktion aber nicht die ganze Zeit nur mit der GQ verbinden sondern eher seperat von dieser Zeitschrift sehen.

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